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01. Juli 2009

Von Rosen und Raben
Lyrik-Veranstaltung mit Rudi Korbel und Ruth Schumacher
in der Asklepios-Klinik Triberg

Erstaunlich viele Besucher lockte die Lyrik-Veranstaltung „Rosenduft und Rabenseele“ in der Asklepios Klinik Triberg an. Die Cafeteria wurde zum gefühlten Raben Horst und Rosengarten und die Mienen der Zuschauer spiegelten eine volle Skala von Emotionen wider. Anfängliche Verschlossenheit, Skepsis, wurde zu angespannter Nachdenklichkeit, zu entspanntem Schmunzeln, und schließlich zum spontanen laut Auflachen.

Nach und nach gelang es Rudi Korbel und Ruth Schumacher, das Publikum durch ihre „bilderreich-tiefgründigen“ und „witzig-frechen“ Vorträge in ihren Bann zu ziehen. Korbel spezialisierte sich neben seinen eigenen, herzigen Raben-Texten eher auf das französische Genre, während Schumacher neben schönen eigenen Texten und deutschen Dichtern, der Rose verbunden, auch auf Poeten wie Edgar Allan Poe mit „The Raven“ zurückgriff. So gut eingespielt ist das Team, dass sich die Frage aufdrängte, wie lange sie denn schon zusammen seien. Leicht verblüfft und amüsiert antwortete Schumacher: „Von Anfang an.“ Der Rabenrudi und die Rosenruth sind Geschwister. In ihrer Heimat Filderstadt-Bernhausen betreibt Deutschlehrer Korbel die Rabenbühne. Sprachtherapeutin Schumacher leitet dort in ihrer Freizeit häufig Workshops und Lesungen und sie rezitiert Gedichte. Seit fünf Jahren führen sie außerdem, wenn immer es die Zeit erlaubt, Lyrik-Darbietungen in Seniorenheimen und Kliniken durch, „weil dort ein sehr sensibles Publikum ist, sehr empfänglich für Lyrik.“

Im Deutschunterricht an den Schulen heute käme die Lyrik und Gedichte lernen eher etwas zu kurz, lamentiert Korbel. Dabei weiß Schumacher aus ihrem Beruf, wie wichtig Auswendiglernen sein kann.
Vor allem bei Demenz- und Alzheimer-Kranken zeige sich oft, dass in der Kindheit gelernte Gedichte voll rezitiert werden können und dass dies als Stütze – des Gedächtnisses und der Psyche – diene. Bei einer Zusammenkunft von Behinderten und Nichtbehinderten haben sie Gisela Retzbach von der Asklepios Klinik kennengelernt, die sie dann eingeladen hat, auch mal nach Triberg zu kommen. Dass der Name der Klinik mit einer griechischen Sage, in der auch ein Rabe eine Rolle spielt, zusammenhängt, ist reiner Zufall. Oder doch nicht?

Korbel hat sich in den Raben verliebt, „weil er so missverstanden wird“ und ihn zu seinem Markenzeichen gemacht. Seine Geschichten vom „petit corbeau et son papa“ sind unbezahlbar.

 

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