Donnerstag 08. September 2011
Samstag 05. November 2011
20 Uhr
12,- Euro Reservierung erwünscht!
Eduard Mörike zum 207. Geburtstag
„Rosenzeit, wie schnell vorbei..."
Gedichte von Eduard Mörike
Rezitation: Ruth Schumacher und Rabenstein
Musik: Joss Reinicke

Sie hören eine Auswahl aus folgendem Repertoire:
Er ist‘s Frühling lässt sein blaues Band...
Agnes Rosenzeit! Wie schnell vorbei...
Der Gärtner Auf ihrem Leibrösslein...
Um Mitternacht Gelassen stieg die Nacht an Land...
Der Feuerreiter Sehet ihr am Fensterlein...
Gebet Herr! schicke was du willst...
Lose Ware Tinte! Tinte, wer braucht...
Jedem das seine Aninka tanzte...
Erstes Liebeslied eines Mädchens Was im Netze?
Nimmersatte Liebe So ist die Lieb!
Die traurige Krönung Es war ein König Milesint...
Nixe Binsefuß Des Wassermanns sein Töchterlein...
An einem Wintermorgen vor Sonnenaufgang
O flaumenleichte Zeit der dunklen Frühe...
Elfenlied Bei Nacht im Dorf der Wächter rief...
Mausefallen-Sprüchlein Kleine Gäste, kleines Haus...
Storchenbotschaft Des Schäfers sein Haus
und das steht auf zwei Rad...
Die Geister am Mummelsee Vom Berge
was kommt dort um Mitternacht spät...
Schön-Rohtraut Wie heißt König Ringangs Töchterlein...
Gesang Weylas Du bist Orplid, mein Land!
Früh im Wagen Es graut vom Morgenreif...
Der Tambour Wenn meine Mutter hexen könnt...
Zwiebelscherz Ganz richtig hört ich sagen...
Alles mit Maß Mancherlei sind es der Gaben...
Im Frühling Hier lieg ich auf dem Frühlingshügel
Trost Ja, mein Glück, das lang gewohnte...
Eduard Mörike wurde am 8. September 1804 in Ludwigsburg geboren.
Seine Lebensspanne erstreckt sich über eine Zeit, die von Widersprüchen geprägt ist.
Auf der einen Seite stehen monarchische Autorität und biedermeierliche Idylle, die Gott und König nicht in Frage stellt. Auf der anderen Seite stehen die beginnende Industrialisierung und ein erwachendes staatsbürgerliches Selbstbewusstsein. Mörike absolviert am Tübinger Stift eine theologische Ausbildung.
In den Studier- und Denkstuben brodelt es. Dem revolutionären Agieren der Tübinger Studenten hält sich Mörike jedoch fern. Er bezieht keine Stellung zu politischen Vorgängen, wie dies zum Beispiel sein Zeitgenosse Heinrich Heine in seinen poetischen und journalistischen Schriften tut. Um das große Vorbild Friedrich Hölderlin sammelt sich in Tübingen ein schwärmerischer Freundeskreis. Den gesellschaftlichen Realitäten setzt man ein selbstgeschaffenes Reich der Poesie, der Phantasie und des Spiels entgegen. Die Sehnsucht nach Weite, Geheimnis und Abenteuer findet auch in der Poesie Eduard Mörikes ihren Niederschlag (Orplid-Vision).
Mörikes Dichterphantasie reicht von der düsteren Balladentragik (Die traurige Krönung) bis zu anmutiger Romanze und zarter Poetisierung der Natur.
Die hohe Formkraft und Musikalität verleiht seinen Dichtungen die Zauberkraft, die auch den heutigen Hörer noch in ihren Bann zieht. Ich sage bewusst Hörer, denn ein Gedicht muss klingen, um zu seiner ästhetischen Wirkung gebracht zu werden.
Eduard Mörike, Dichter des Erinnerns, der Rückschau, der Innenschau, der freudigen Zuversicht.
Friedrich Schiller schreibt:
(Sprüche des Konfuzius 1.Strophe)
Dreifach ist der Schritt der Zeit:
Zögernd kommt die Zukunft hergezogen
Pfeilschnell ist das Jetzt entflogen,
Ewig still steht die Vergangenheit
Mörike differenziert. Für ihn bekommt die Gegenwart Bedeutung aus der Tiefe der Zeit. Die Spuren des Abwesenden sind immer gegenwärtig.
Für Mörike bedeutet Gegenwart „die Vergangenheit öffnen“. Nur was man aus der Vergangenheit kennt, kann man in der Gegenwart auch erkennen und nur die Erkenntnis führt uns sicher in die Zukunft.
Ich möchte die an dem Frühlingsgedicht „Er ist’s“ kurz aufzeigen:
Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Was ich erkenne macht mir Mut und Zuversicht.
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
So bekommt die Gegenwart ihre Bedeutung aus der Tiefe der Zeit.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
Die Gegenwart wird vom Vergangenen erhellt und weist uns die Zukunft.
Horch, von fern ein leiser Harfenton!
So ist die Gegenwart erinnerndes Erwarten und freudige Zuversicht.
Frühling, ja du bist’s !
Dich hab ich vernommen !
So ist jeder Augenblick des Lebens getaucht in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Jeder Augenblick unseres Lebens ist Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zugleich
Eduard Mörike war ein großer Verehrer Goethes und griff in vielen seiner Gedichte dessen Ton auf, aber auch die griechischen und römischen Elegiker scheinen von großem Einfluss auf ihn gewesen zu sein.
Friedrich Theodor Vischer, Professor für Ästhetik, Wegbegleiter und Freund des Dichters Eduard Mörike schrieb über dessen Dichtung:
„ ... Der heitere, harmonische Geist der alten Lyrik,
wo auf mäßig erregten Wellen des Gefühls oder Affekts der Geist sich im Kahne der Betrachtung schaukelt und bald fröhlich, bald wehmütig, das Maß des Schönen niemals überspringend, in das Spiel hinuntersieht ...
Dies war es, was unseren Dichter aus dem Schattenreich der Träume in den hellen Äther, aus dem gothischen Dunkel in die lichten Säulengänge der Weisheit heraufführte.“
Eduard Mörike starb am 4.Juni 1875